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„Erschöpfung im Wochenbett ist keine Depression“ – Interview mit unserer Hebamme

Dass eine Mutter kurz nach der Entbindung erschöpft ist, kommt relativ häufig vor. Die Strapazen der Geburt machen sich bemerkbar, die Umstellung auf das Leben mit dem Baby und der Hormonstatus spielen ebenfalls eine Rolle. In den allermeisten Fällen handelt es sich um eine vorübergehende Phase. Wichtig ist, eine Erschöpfung im Wochenbett von einer Wochenbett-Depression zu unterscheiden. Wir haben mit unserer Hebamme Franziska Summermatter gesprochen und informieren dich über die Gefühlslage im Wochenbett und über schwerwiegende Symptome, die behandelt werden müssen.


Warum sind so viele Mütter in den ersten Wochen stark erschöpft?

Franziska: Die Umstellung von der Schwangerschaft auf das Leben als Mutter mit Kind ist gewaltig. Mutter und Kind müssen sich zuerst kennenlernen. Gerade beim ersten Baby sind viele Mütter überfordert, da sie die Spielregeln nicht kennen und denken, dass sie die volle Verantwortung allein tragen. Vielen macht auch der Schlafmangel zu schaffen, denn das Baby braucht auch nachts Fürsorge und Muttermilch. Stimmungsschwankungen und Reizbarkeit sind bei jungen Müttern völlig normal. Eine Wochenbett-Depression muss das aber nicht sein. Der Zustand lässt sich besser mit einer leicht depressiven Verstimmung vergleichen – auch der Wechsel zu einer sehr guten Stimmung ist durchaus denkbar. Mit dem Begriff „Baby-Blues“ lässt sich das Auf und Ab der Gefühle recht gut beschreiben.

Nicht umsonst spricht man vom Wochenbett als einer Art Schonzeit. Der Haushalt und eventuell grössere Geschwister können die Erschöpfung im Wochenbett noch verstärken. Deshalb ist es gut, wenn in den ersten Wochen der Vater zu Hause ist und mithelfen kann, oder auch die Oma beziehungsweise eine gute Freundin. Andererseits braucht die ganze Familie Zeit, um das neue Familienmitglied kennenzulernen.

Tipp: In den ersten Wochen nach der Entbindung ist die Erschöpfung im Wochenbett ein häufiger Zustand, der jedoch nicht behandlungsbedürftig ist. Unterstützung in jeder Form tut der Mutter gut – so kann sie tagsüber Schlaf nachholen und braucht sich nicht um alles selbst zu kümmern.


Wie lange dauert diese Phase normalerweise?

Franziska: Die Erschöpfung im Wochenbett dauert von einigen Tagen bis zu einigen Wochen. Betroffen sind etwa 50 bis 80 Prozent aller Mütter. Die Ausprägung ist unterschiedlich stark. Bei einigen Frauen stellt sich schon nach wenigen Tagen eine deutliche Besserung ein, bei anderen dauert diese Phase länger.

Tipp: Reizbarkeit und Stimmungsschwankungen sind leider oft ein Auslöser für Streitigkeiten, wodurch sich die niedergeschlagene Stimmung noch verstärken kann. Eine Rückzugsmöglichkeit für die Mutter tut gut, auch wenn es nur für einen kurzen Zeitraum ist.


Was ist eine Wochenbett-Depression?

Franziska: Von einer Wochenbettdepression oder postpartalen Depression spricht man erst, wenn der Zustand über mehrere Wochen anhält. Die Wochenbett-Depression kann auch später auftreten, nicht unmittelbar nach der Geburt, sondern im Lauf des ersten Lebensjahres des Kindes. In manchen Fällen kündigt sich diese Form der Depression bereits während der Schwangerschaft an.

Typische Symptome sind Ängste, die Mutter ist oft davon überzeugt, dass sie die Versorgung des Kindes nicht allein bewältigen kann. Dazu können Schuldgefühle dem Kind gegenüber kommen, auch eine tiefe, andauernde Traurigkeit ist nicht selten. Oft zeigt sich ein Gefühl der inneren Leere. Sexuelle Lustlosigkeit kann ebenfalls ein Symptom sein, andererseits ist die Libido kurz nach der Schwangerschaft und während der Stillzeit ohnehin häufig eingeschränkt. Manche Mütter entwickeln Zwangsgedanken und leiden unter der Vorstellung, dem Kind zu schaden. Die Liebe zum Kind entwickelt sich langsam oder gar nicht. Psychosomatische Beschwerden wie Appetitlosigkeit, Unruhe und Schlafstörungen können das Krankheitsbild ergänzen. Von einer postpartalen Depression sind etwa 10 bis 20 Prozent aller Mütter betroffen. Die genaue Einordnung ist schwierig, weil der Übergang von einer Erschöpfung im Wochenbett fliessend ist. Man kann jedoch davon ausgehen, dass es sich bei einer Dauer von mehr als zwei Wochen um eine postpartale Depression handelt.

Tipp: Die Diagnose sollte von Fachleuten gestellt werden. Das bietet auch die Möglichkeit, dass schnelle Hilfe zur Verfügung steht.


Wann sollte die Wöchnerin professionelle Hilfe in Anspruch nehmen?

Franziska: Zunächst ist eine Abklärung wichtig, ob es sich tatsächlich um eine Wochenbett-Depression handelt. Gespräche mit der Hebamme oder der Gynäkologin helfen weiter, um die Symptome richtig einzuordnen. Es ist in jedem Fall sinnvoll, nicht zu lange abzuwarten. Dieser Punkt ist für viele Frauen schwierig, denn das Gefühl des Versagens ist verantwortlich für starke Scham- und Schuldgefühle. Deshalb ist es wichtig, eine vertraute Person zu haben, mit der betroffene Mütter über die Situation sprechen können. In seltenen Fällen kann sich eine schwere Wochenbett-Psychose entwickeln. Dabei handelt es sich um eine sehr ernsthafte Erkrankung, die unbedingt in fachkundige Hände gehört.

Tipp: Hebamme, Frauenärztin und Psychologin sind gute Ansprechpartnerinnen, die in der Lage sind, die Depression einzuschätzen. Für eine weitere Hilfe ist eine psychotherapeutische Behandlung sinnvoll.


Kann der Partner bei einer Erschöpfung nach der Entbindung helfen?

Franziska: Ja, auf jeden Fall! Jede Person, die einen guten Kontakt zur Mutter hat, kann helfen – der Partner natürlich ganz besonders. Wichtig ist vor allem Aufmerksamkeit – und keine Vorwürfe! Keine Frau sucht sich diesen Zustand selbst aus. Die Erschöpfung vergeht meist von alleine, aber natürlich gibt es auch viele Babys, die im ersten Lebensjahr nicht durchschlafen. Dann wird es schwierig, Erholung zu finden. Der Partner kann viele Tätigkeiten abnehmen, ausserdem stärkt es die Gemeinsamkeit, wenn sich beide Eltern um das Baby kümmern.

Damit die Familie allmählich zu einem guten Rhythmus findet, können auch die Grosseltern helfen. Allerdings gilt hier, wie bei jeder anderen Person, die Hilfe anbietet: Nicht aufdrängen, nicht einmischen, und keine vermeintlich „guten Ratschläge“ geben. Besser ist es, konkrete Hilfsangebote zu machen. Das heisst, mal die grösseren Kinder betreuen, die Wäsche übernehmen, mit dem Baby Spazierengehen, auf Vorrat kochen oder einkaufen.

Tipp: Helfen ja, alles „besser wissen“ bitte nicht. Und sollte sich herausstellen, dass eine Depression vorliegt, schnell handeln, nicht zu lange abwarten.



Franziska Summermatter

– Hebamme FH
– Schwangerenvorsorge
– Stillberaterin
– Kinderkrankenschwester
– Gründerin & Inhaberin der
Hebammenpraxis Zürich

www.hebammenpraxis-zuerich.ch

  • Nathalie
    20. Januar 2021 at 19:09

    Ich habe erst nach 4 Monaten eine sehr starke Erschöpfung erlebt. Wir sind noch Umgezogen kurz nach der Geburt, war viel beschäftigt mit einräumen. Dazu noch das älter Kind. Und plötzlich, 4 Monaten nach der Geburt alss entlich Rueh einkehrte hatt es mich stark erwischt. Drei Tage wollte ich nicht aus dem Bett, habe alles vernachlässigt und nur aus dem Kühlschrank gegessen. Dachte zuerst an die Depression doch ich wahr einfach sehr müde. Ich habe einfach das Wochenbett nachgeholt. Das ganze ging etwa 7 Tage, danach war es wider besser. Auch die Periode hat eingesetzt. Mein Mann und meine Tochter habe ich sehr vernachlässigt, doch es haben alle überstanden. Jetzt nach 5 Monaten ged es mir wider Top. Noch etwas wappelig und wenig Muskeln, doch das kommt auch bald wieder.

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